01.11.2015

Neuveröffentlichungen 30. Oktober 2015

Album Cover: The Schwarzenbach - "Nicht sterben. Aufpassen."The Schwarzenbach - "Nicht sterben. Aufpassen."

The Schwarzenbach - "Nicht sterben. Aufpassen."

(Deutsch Rock & Pop, Independent, Crossover)

Mehr Abwechslung geht nicht: Vom unwiderstehlichen Groove, zu dem in "Lass das Bleiben" die Bude angezündet wird, bis zur warmen Glut im Kaminfeuer, an dem man sich bei "gegen Ende" wärmen kann, sind auf diesem Album alle Temperaturen, alle Rhythmen, alle Stimmungen beisammen, die man sich wünschen kann. Der langsame, dramatische, aus konzentrierter Wut bis zu explodierendem Krach aufgebaute Opener "Zarte Blüte Hass" walzt den Weg frei, mit dem melodisch-verspielten "Gesicht freihändig" kommt die Sache ins Schwingen, und sogar für Sehnsucht und Trost ("Mänkmol mein I", "Stark genug") ist Platz in dieser Show.
Das liegt nicht zuletzt daran, dass The Schwarzenbach, also die Begegnung zwischen einerseits Johannes Frisch, Thomas Weber und Heike Aumüller vom gefeierten Karlsruher Improvisation-trifft-Electronica-Projekt "Kammerflimmer Kollektief" und andererseits dem Autor, Sprecher und Sänger Dietmar Dath das Material auf ihrem zweiten gemeinsamen Album bei zahlreichen Konzerten und unter unterschiedlichen Bedingungen live getestet und verbessert haben. Als Gerücht und Ohrwürmer, vom Hörensagen und zum Mitsingen in Kulturzentren oder auf Theaterfestivals sind manche der Stücke auf diesem Album daher schon länger in der Welt und haben sich durch alle Verwandlungen als stabile und lebendige Grenzgänger zwischen Jazz, Rock und ungezähmtem Eigensinn erwiesen – zum Beispiel der rappelharte "Kontersong", der aller Musik mit musikalischen Mitteln den Krieg erzählt, oder "Leider bin ich tot", eine getragene Verabschiedung vom Leben, die der Klangkunst-Experte und Journalist Rafik Will nach der Uraufführung im Radio "einen der schönsten Liebessongs ever" genannt hat.

Amazon: The Schwarzenbach - "Nicht sterben. Aufpassen."

Guy Garvey - "Courting The Squall"

(Alternative)

elbow-Sänger Guy Garvey veröffentlicht sein Solo-Debütalbum "Courting the Squall".
Insgesamt basiert "Courting the Squall" auf jenen Einflüssen und Ideen, die "einfach nicht ins elbow-Universum passen", so Garvey. Einige der Tracks – z.B. "Angela’s Eyes", "Harder Edges" und "Belly of the Whale" – sind ganz klar um ein Groove-Gerüst gestrickt; sie vereinen gewissermaßen Manchesters Vergangenheit (in weiten Hosen) mit Guys Hang zu Tom Waits und Bowies Alben aus den Mittsiebzigern, besonders "Sound and Vision". Dabei verlangte die klangliche Neuausrichtung auch nach einem anderen Ansatz als Sänger, so dass Garvey hier etwas abgehackter klingt, direkter, fast schon wie in seinen Anfangstagen, als seine Texte noch sehr stark vom HipHop beeinflusst waren, wo kurze, knappe Phrasen zugleich Inhalte transportieren und rhythmische Akzente setzen.

iTunes: Courting the Squall - Guy Garvey
Amazon: Guy Garvey - "Courting The Squall"

The Konincks - "While I'm Listening To My Breath"

(Progressive Rock, Blues Rock)

The Konincks feiern den Blues mit Rock’n‘Roll-Attitüde. Ungeschliffen, bisweilen etwas sperrig, mit einer kompromisslosen Alles-oder-Nichts-Haltung, geben sie sich völlig der Musik hin. Das hört man deutlich auf Ihrem Debutalbum "While I’m Listening To My Breath".
The Konincks tauchen zuweilen tief ein, in die verworrene Vergangenheit des Blues und scheuen selbst vor Mundharmonika und Slidegitarren-Riffs nicht zurück. Gleichzeitig verneigt sich die Band vor Led Zeppelin, Pink Floyd, die frühen Fleetwood Mac und der ganzen West Coast Psychedelic-Bewegung, ohne dabei auch nur eine Sekunde angestaubt oder antiquiert zu klingen. Vielmehr katapultieren The Konincks den Bluesrock ins 21. Jahrhundert und finden jenseits angestrengter Hipsterblog-Diskurse und blutleerer Mainstreammedien ein begeistertes Publikum.

iTunes: While I'm Listening to My Breath - The Konincks
Amazon: The Konincks - "While I'm Listening To My Breath"

Abgelegt in: Neu im Regal, Alternative, Indipendent, Progressive Rock, Blues Rock, Album-CD | Von: Detlef Holst